Im trauten Heim ankommen, wer mag das nicht?

Nun war es soweit. In der Nacht von Freitag, den 11. auf Samstag den 12. August fuhren wir in unsere Gastfamilien, in denen wir das nächste Jahr verbringen sollen. Nun hieß es erst einmal von allen die man in dieser Zeit wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen wird Abschied nehmen. Jetzt ging nur noch darum, dass alle Freiwilligen nacheinander mit dem Linienbus rechtzeitig vom CEL wegfahren.

Die Mysore-und-Umgebung-Gruppe fuhr dann letztendlich als letzte Gruppe des Freitages los. Zuerst ging es nach Kundapur-City, um von da aus mit einem „Sleeper“ (Ein Bus, in dem man einzelne Kabinen hat und schlafen kann) nach Mysore zu fahren. Nach knapp 7h, in denen ich wie ein Baby schlafen konnte und sogar die Pause um 1 Uhr nachts verpasste, kamen wir am Sabara Bus Stand in Mysore an. Von da an mussten die Freiwilligen, die in Hunsur in einer Gastfamilie untergebracht sind, warten bis alle Mysore-Leute abgeholt wurden. Nach und nach wurden sie von Mopeds, Motorräden oder Rickshaws abgeholt, bis dann nur noch die Hunsurgruppe und ein vergessenes Mädchen da waren.

Nun hieß es nochmal um 9:00 Uhr morgens 1,5h Fahrt, bis wir in Hunsur ankamen. Sofort war unsere Gastmutter am Bus-Stand. Nun fuhren Paul mein Projektpartner und ich erst einmal mit der Rickshaw unserer Gastmutter hinterher, die dem Fahrer via Moped den Weg zeigte.

Der erste Eindruck des Hauses unserer Gastfamilie war sehr gut; relativ sauber, ein westliches Klo mit Spritzdusche anstatt „nur“ Eimer, vergleichsweise ein sehr großes Haus für eine indische Familie.

Hier im Haus leben 7 Personen: unsere Gastmutter, deren Mutter, der Sohn, die (Halb)Schwester, Der Onkel und zwei Freiwillige aus Deutschland, für das nächstes Jahr sind das Paul und ich. Nichtsdestotrotz ist es hier sehr gemütlich und es lässt sich hier auf jeden Fall für die nächsten 11 Monate leben.

Für den Rest des Tages hieß eigentlich nurnoch Schlaf nachholen oder etwas Kannada lernen, worin ich auch nach dem Vorbereitungsseminar in Kundapur immer noch homotiviert war. Als nächstes war das Erkunden von der Umgebung an der Reihe.

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1 Week of Kundapur

Nun waren wir in dem Lager angekommen, erschöpft von der langen Fahrt und auf den letzten 20 Metern bis zu der nächsten Überdachung überrascht von einem für indische Verhältnisse „leichten“ Monsunregen. Nachdem wir uns mit 12 Mann in ein recht enges Zimmer eingenistet haben, fing eine wirklich schöne Woche mit 80 Leuten in einem Hostel in einer sehr ländlichen Gegend an.

Wenn ich das für FSL India speziell gebaute Hostel namens CEL mit nur einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es „idyllisch“. Abseits von jeglichem hektischen Leben der Städte in Indien in unserer kleinen Blase hatten wir dort für eine Woche genug Zeit, um in Ruhe die Verhaltensweisen, Sitten und Kultur von einem kleinen südlichen Teil Indien kennenzulernen. Die Seminareinheiten waren sehr frontal und vergleichsweise zu den deutschen Seminaren relativ trocken. Jedoch hatten wir viel Freizeit und verstanden auch schnell, dass „in five minutes“ ungefähr mit „in einer halben Stunde“ übersetzt werden kann.

Viele von uns nahmen sich viel Zeit, um Tagebuch zu schreiben oder einfach noch ein paar Stunden Schlaf nachzuholen. Ich hingegen habe es genossen, die regionale Sprache namens Kannada zu lernen. Dies wurde für mich nach dem Erhalt eines „Learn Kannada in 30 Days“-Buches zu einem Lebensauftrag.

Der Höhepunkt unseres Aufenthaltes war der Besuch einiger Projekte in Kleingruppen. Ich war mit knapp einem Dutzend anderer Freiwilliger in einer Schule und hatten 2 Stunden, um dort den Kinder der kleinen Unterstufe etwas über Deutschland zu erzählen und mit ihnen Spiele auf dem großen Hof zu spielen. Ohne einen Kannada-Übersetzer und/oder Vermittler von den wichtigsten Inhalten wurde es sehr schwer. Nachdem wir mit den Kindern getobt haben und die Jungs beim Fangen nur uns Freiwillige gefangen haben. Gingen wir mit riesigen Schweißflecken auf allen Seiten des Hemdes zurück ins CEL.

Es war eine schöne Zeit in Kundapur, auf die ich jetzt schon gerne zurückblicke. Ich freue mich auf die Zwischenseminare und das Abschlussseminar, bei dem wir uns alle wiedersehen werden.

Der erste Tag in Indien

Nun sitze ich hier, 3 Wochen ohne mich in meinem Blog zu melden, was mir schon ein schlechtes Gewissen bereitet hat, und schreibe auf dem Bett, in dem ich beinahe das ganze nächste Jahr verbringen werde.

Nicht nur der 8-stündige Flug von Frankfurt nach Bangalore war eine lange Reise. Auch der Weg vom Flughafen bis zu meiner Gastfamilie eine Woche später sollte ein riesiges Erlebnis sein.

Nachdem wir heil und mit all unserem Hab und Gut nachts um 1 Uhr am 5.8. in Bangalore gelandet sind, wurden wir direkt von Freiwilligen von FSL India abgeholt und wurden in zwei Gruppen für den Rest der Nacht in 2 Hostels gefahren.

Die Nacht gut überstanden hatten wir nun unsere erste richtige indische Mahlzeit, bei der es schon für einige Probleme bei der Umsetzung der Verhaltensweisen gab, was nachvollziehbar ist. Ich für meinen Teil habe erst nach einigen Anläufen das Grundprinzip der indischen Nahrungsaufnahme verstanden. Hier wurden bereits mit meinem zukünftigen Regionskoordinator Manju die ersten brennenden Fragen beantwortet.

An diesem Tag stand nicht viel auf dem Programm. Das aufregendste war der Ausflug zu einem kleinen Supermarkt, in welchem wir zum ersten mal geschockt waren über die niedrigen Preise. In meinem Bedürfnis neue Sachen auszuprobieren kaufte ich mir diverse Süßigkeiten und Kleinigkeiten die ich die nächsten Tage ausprobieren sollte. An sich sind indische Snacks ziemlich lecker, und wenn sie einem nicht schmecken, sind sie und ihre Zutaten auf jeden Fall interessant und eine Google-Suche wert.

Nun bestand der Rest des Tages aus Schlafen und Trinken auf indischer Weise (oder zumindest es zu versuchen).

Am Abend ging es dann mit dem Nachtbus auf unglaublich engstem Raum nach Kundapur. Mit über 50 Mann und Frau quetschten wir uns in einen viel zu kleinen Bus in der Hoffnung, dass die eigentliche 8-stündige Fahrt so schnell wie möglich zu Ende geht. Hier hieß es buchstäblich Augen zu und durch. Mit 2 Stunden Verspätung kamen wir in dem Centre for Experential Living (CEL) von FSL India in der Nähe von Kundapur an.

In 11 Tagen…

…geht es los!

 

Einige von uns hoffen immer noch darauf, ihr Visum rechtzeitig zu erhalten während mein Reisepass schon abholbereit in dem Frankfurter Konsulat liegt. Die Spannung steigt, denn erst in den letzten Tagen wurde mir klar, was ich nun alles hinter mir lassen muss. Von den ersten Menschen habe ich mich bereits für das nächste Jahr verabschiedet. Vor einem Jahr wusste ich nicht, was ich direkt nach meinem Abitur machen wollte. Wer hätte gedacht, dass ich nun für ein Jahr als Freiwilliger mit der Organisation „AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.“ und dem vom BMZ geförderten Programm „weltwärts“ als Assistenzlehrer für Mathe und Englisch in einem kleinen Örtchen namens Hunsur im Süden Indiens arbeiten werde?

 

Die Seminare in Deutschland sind abgehakt, die Fragen nach den wichtigsten Gegenständen für die ersten Tage und dem fehlenden Klopapier sind abgehakt. Dennoch bleiben viele Fragen für mich noch offen. Und das wird sicher auch nach Ankunft in Indien nicht anders sein. Es wird sicher einige Probleme für uns bei der Akklimatisierung geben. Wir werden auch sicher immer wieder mal in ein Fettnäpfchen treten, wenn es darum geht, angemessenen Respekt den Menschen vor Ort zu zeigen. Ich hoffe, dass wir vor allem in den ersten Tagen bei dem On-Arrival Seminar in Kundapur an der Westküste noch einmal wichtigen Input erhalten werden.

 

Aber nun heißt es nur noch Visum abholen, Sachen packen und in den richtigen Flieger steigen!